Alles Anders

Ich liebe Traditionen. Und Rituale. Ich liebe es, mich auf Dinge zu freuen, von denen ich weiß, dass sie gut werden. Weil sie immer gut sind, wenn man sie macht. Zum Beispiel meinen „Jahres-End-Essen-Und-Sehr-Viel-Trinken-Jahresrückblick“ mit einem meiner besten Freunde.

Ende letzten Jahres hat der „Jahres-End-Essen-Und-Sehr-Viel-Trinken-Jahresrückblick“ mit einem meiner besten Freunde leider nicht stattgefunden, aus Zeitgründen mussten wir ihn verschieben auf Anfang 2016. Davon ist der erste Monat jetzt auch schon bald vorbei, aber das Essen wird stattfinden, und wenn es im Februar ist. Der „Jahres-End-Essen-Und-Sehr-Viel-Trinken-Jahresrückblick“ geht so, dass man sich am Jahresende (oder am Jahresanfang) zusammen mit einem seiner besten Freunde in ein Restaurant setzt, schnell was isst und dann sehr viel trinkt. Dabei redet man über das kommende Jahr und die Dinge, die man machen will. Außerdem redet man über das gerade vorbeie Jahr und über die Dinge, die man da gemacht hat. Meistens sind das nicht die Dinge, von denen man beim letzten „Jahres-End-Essen-Und-Sehr-Viel-Trinken-Jahresrückblick“ gedacht hat, man würde sie im kommenden Jahr tun. Oft sind es Dinge, Jobs, Erfahrungen und Erkenntnisse, die man nicht kommen sah. Weil sie nicht planbar sind. Die Erlebnisse, über die wir dann beim achtzehnten Bier oder vierten Whiskey reden, obwohl ich eigentlich gar keinen Whiskey vertrage, sind fast immer positiv. Zumindest in der Konsequenz.

Manchmal sind Dinge passiert im vergangenen Jahr, von denen man gehofft hat, dass sie passieren. Aber wie sie dann passiert sind, war ganz anders, als gedacht. In den Momenten fühlt sich das dann nicht so gut an. Später aber, mit Abstand und Zeit, merkt man meistens, dass es gut war, wie die Dinge passiert sind. Weil sie einem was klar gemacht haben, was man vorher nicht wusste. Und was man im nächsten Jahr anders machen wird.

Nicht anders machen sondern hoffentlich fast immer gleich werde ich ein Ritual, das noch etwas neuer ist. Das eigentlich erst zum Ritual geworden ist, als ich auf dem Flug von Köln zurück nach Berlin mit einem anderen meiner besten Freunde nach einem perfekten Köln-Wochenende den Termin für das nächste Köln-Wochenende fest gemacht habe. Wir haben besprochen, dann, im April, alles wieder so zu machen wie jetzt. Und trotzdem wird hoffentlich alles anders. Wir werden wieder am Kickertisch versacken, in dem Laden, in dem wir damals immer waren, als wir beide noch in Köln gelebt haben. Wir werden wieder – Gegner-abhängig – rausfinden müssen, wer hinten spielt und wer im Sturm. Vielleicht werden wir wieder gewinnen. Vielleicht auch nicht. Später werden wir weiter ziehen, durch Köln und durch die Nacht. Und dabei über Geschichten reden. Am zweiten Köln-Abend hat uns der andere meiner besten Freunde – der „Jahres-End-Essen-Und-Sehr-Viel-Trinken-Jahresrückblick“-Freund – eine kleine Zigarren-Manufaktur in Ehrenfeld empfohlen, in der man Zigarren rauchen und Cognac trinken kann; der Laden macht um 20:00 Uhr zu, wir waren um 19:15 Uhr etwas zu spät, da es eine Stunde dauert, eine Zigarre zu rauchen, wie uns die kubanische sehr tolle Zigarrenfrau erklärt hat, sie hat uns trotzdem noch rein gelassen, wir sind bis 20:45 Uhr geblieben und haben bei der phantastischen Zigarre beschlossen, aus einem Stoff, über den wir schon sehr lange reden, einen Kinofilm zu machen.

Als ich im vorletzten Satz das ziemlich lange Wort „Jahres-End-Essen-Und-Sehr-Viel-Trinken-Jahresrückblick“ aus der Zwischenablage per cmd-V in den Text kopieren wollte, weil es wirklich ein sehr langes Wort ist und per copy/paste einfach schneller geht, standen da plötzlich die Sendetermine für „Familie Braun“. Ich hatte mich ablenken lassen von der Email einer Kollegin, die wissen wollte, wann und wo man diese Serie denn jetzt mal endlich sehen kann, und mir die Daten aus einer anderen Email gefischt. Das ist auf so vielen Ebenen metaphorisch: Während ich aus Faulheit die Zwischenablage bemühe und gerade über Rituale schreibe, in denen es gleichzeitig um die Vergangenheit und um die Zukunft geht, poste ich die Sendedaten einer Serie, deren Entstehungsprozess rückblickend betrachtet natürlich völlig anders war, als irgendwann mal mitten in der Nacht geplant. Bei einem „Jahres-End-Essen-Und-Sehr-Viel-Trinken-Jahresrückblick“. Aber die Serie wird laufen. Im Netz und im TV. Ob der Kinofilm jemals laufen wird, weiß ich nicht. Oder die Serie, über die ich gerade mit der Kollegin nachdenke, deren Email Schuld an diesem Absatz ist. Oder die Serie, die ich gerade zusammen mit meiner Frau entwickele, und die nur deshalb entsteht, weil Menschen „Familie Braun“ schon gesehen haben und Serien von uns haben wollen, die genau so sind. Nur ganz anders. Alles hängt zusammen. Gute Pläne werden zu anderen Plänen. Die manchmal besser sind. Rituale sind dann die besten Rituale, wenn man sich auf sie verlassen kann, weil sie sich niemals verändern. 

Und trotzdem immer anders sind.

Neue „Soko Leipzig“ Folgen

Im  Moment arbeite ich an zwei neuen Folgen für „Soko Leipzig“ (Freitags, 21:15 Uhr, ZDF).

In „Straßenkinder“ geht es um den Mord an einem 15-jährigen und die Diskussion um primärpräventive und sekundärpräventive Maßnahmen in der Jugendarbeit. Ein Lokalpolitiker gerät in den Fokus, genau wie ein überforderter Streetworker.

„Der Kanal“ erzählt die Geschichte eines toten Kanu-Sportlers, der eine kaputte Familie hinterlässt. Es geht um Lügen, um Gewalt und um eine Mutter, die keine Kraft mehr hat.

Eine Folge, die schon abgedreht ist, läuft am selben Tag, an dem auch „Familie Braun“ TV-Premiere hat: Am 12. Februar 2016:

„Bilder im Kopf“

Ein toter alter Mann, eine Witwe, die nicht wirklich trauert – und Fotos von scheinbaren Belanglosigkeiten aus dem Leben der zwei. Was mit vielen Fragezeichen beginnt, wird zu einem tragischen Fall, als klar wird, dass der Tote an Alzheimer litt. Er hat seine Umwelt fotografiert, um sie nicht zu vergessen. Je mehr die Sokos in das Leben der Familie Förster eintauchen, desto mehr stellen sie fest, dass nichts ist, wie es scheint. Der Tod des Opas wirft Fragen auf und zwingt die Familie, die Karten aufzudecken – aber die Wahrheit ist grausam. Und die Erinnerung ein trügerisches Instrument…

„The Mission“

Das seltsamste und aufregendste Projekt seit langer Zeit: 5 Drehtage, 3 Units, ein abendfüllender Kinospielfilm. Der einmal lief. Im Kino International in Berlin.

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